Gäste-Blog 22/23

Eines Tages wird’s geschehen…

 

Fast 90 Minuten waren absolviert, als der eingewechselte Braig allein aufs Fürther Tor zulief und den Ball zum entscheidenden 2-0 einschob.

 

Der B-Blog, die Heimat der leidensfähigsten Kickers Fans eskaliert und schreit den Frust der vergangenen Jahre brachial aufs Feld. Vor mir stand ein älterer Mann mit grau meliertem Haar, optisch eher die Kategorie Zwergstellenleiter AOK, welcher dieses Ereignis zum Anlass nimmt, sich selbst einen kompletten 0,5er Bierbecher überzuschütten. Es ist immer wieder inspirierend zu sehen, wie Menschen einem Verein selbst in den dunkelsten Zeiten treu sein können und welche Gefühle sie entwickeln, wenn ein junger Kerl im eigenen Trikot eine Lederkugel über eine Linie schießt.

Das Stadion auf der Waldau im Stuttgarter Stadtteil Degerloch ist ein Spiegelbild dieser Fußballromantik. Im Übrigen das älteste Rund in Deutschland in dem noch gekickt wird. Seit 1905 trägt hier der Stuttgarter Arbeiterclub seine Heimspiele aus.

 

Die Kickers spielen mittlerweile in der Oberliga BaWÜ, öfters auf Sportplätzen in denen Tante Gabi im Klubhaus bedient und Onkel Helmuth beim Heimsieg eine Runde schmeißt.

Was aber dieser Tag wieder einmal gezeigt hat, solche Vereine sterben nie. Die Kickers sind lebendiger den je und feierten dieses Weiterkommen im DFB-Pokal wie eine Meisterschaft.

 

Fürth war überraschend schwach und lustlos, ein Klassenunterschied nur in ganz wenigen Situationen erkennbar. Bereits nach 12 Minuten köpfte Zagaria die umjubelte Führung nach einem Eckball. Tempo, Zweikampfverhalten, selbst im taktischen Bereich waren die Kickers den Kleeblättern in den 90 Minuten ebenbürtig.

 

Kämpfer - Könner – Kameraden. Die drei Sterne im Wappen, welche eben für diese Eigenschaften stehen, wurden mehr als würdig gelebt. Über 7000 Zuschauer können das bezeugen.

Dieses Spiel, dieses Erlebnis war ein Highlight auch für mich. Nein, es war natürlich nicht Betze, aber es war fast eine Zeitreise in eine Welt, in der jeder im Stehblock rauchte, 5 Meter vor dem Stadion geparkt wurde und Opas wütend den Mittelfinger zeigten, wenn der Gegner foulte. Ich kann nicht leugnen, dass ich diese Welt ein bisschen mag und noch ein bisschen mehr vermisse.

 

SV Stuttgarter Kickers, ihr müsst am nächsten Wochenende zum FC Holzhausen fahren und nach diesem Erfolg dadurch wieder eure Leidensfähigkeit beweisen. Um euch muss sich aber keiner Sorgen machen, denn wenn ihr eure Farben weiter so stolz vertretet, dann wird es eines Tages geschehn…

 

Dann fahren wir nach Mailand um den SVK zu sehn.

Danke Rene für das Trikot, welches nach diesem Spiel in meiner Sammlung natürlich einen Ehrenplatz bekommt. 

Prolog am Samstag

 

16.07.2022

 

Astoria Walldorf vs. VFR Mannheim 2-2

 

Sportplatz Schwarzach

 

Die meisten kennen Schwarzach als Kulisse für einen Auslug in den dort ansässigen Tierpark. Ganz nebenbei leistet sich das Dorf im Odenwald noch einen Fußball spielenden Kreisligisten mit dem patriotischen Badenia im Namen. Der TSV Badenia Schwarzach war an diesem Nachmittag Gastgeber eines Vorbereitungsspiels mit relativ prominenten Namen.

 

Regionalligist Walldorf verweilte im naheliegenden Trainingslager und testete am späten Samstagnachmittag gegen den Verbandsligisten VFR Mannheim, welcher im K-B vergangene Woche schon ausführlich behandelt wurde. Wie es zu diesem Aufeinandertreffen kam, konnte nicht endgültig geklärt werden – wen jucken aber schon Details, wenn man einen noch unerforschten Ground in der Nähe besuchen kann.

Das Sportgelände der 3000 Seelen Gemeinde hat zwei Plätze, wie fast überall eine alte und eine neuere Sportstätte, dazwischen das Clubhaus. Gespielt wurde auf dem jüngeren Spielfeld – viele Bänke – Naturhänge – viele Bäume und Sträucher. Ein hübsches Bühnenbild hat der letztjährige 9 platzierte der Kreisliga Mosbach.  

 

Wirklich schwitzen mussten an diesem Tag aber andere. Die beiden höherklassigen Clubs fuhren verständlicherweise nicht den höchsten Gang und boten der überschaubaren Zuschauerkulisse eine Trainingseinheit, bei der die Tore gezählt wurden. 2-2 trennte man sich leistungsgerecht. Auch wenn Astoria speziell in den ersten 45 Minuten die bessere Spielanlage zeigte, war nach einer komplett chancenarmen zweiten Hälfte das Unentschieden vertretbar.

Wie oft beschrieben geht es beim Fußball nicht immer um den Sport. Jedenfalls war an diesem Samstag das „Drumherum“ um einiges interessanter. Die Wurst aus der kultigen Bude war solide, die Mädels dahinter freundlich und das Bier kalt. Gepaart mit meiner ortskundigen guten Gesellschaft, ein angenehmer Gäste Blog.

 

Lustiger Fun-Fact: Neben uns stand ein geschäftiger freier Mitarbeiter eines Wettanbieters, welcher dieses Spiel tickern musste, um das am Internet zockende Publikum auf dem Laufenden zu halten. Sachen gibt’s! Wer demnach nen Hunni auf ein Unentschieden gesetzt hat, dürfte einen feucht fröhlichen Abend gestalten.

Allerhand los in Schwarzach – ich muss da mal auf ein Verbandsspiel hin.

Im Schatten der Vergangenheit

 

08.07.2022

 

Freundschaftspiel 

 

VFR Heilbronn vs. VFR Mannheim 2-4

 

Diese Spielpaarung ist nicht nur Musik in den Ohren von Liebhabern der traditionellen Fußballkunst – es ist ein ganzes Orchester samt Zugabe. Der VFR Heilbronn gegen den VFR Mannheim bedeutet zweimal ein Verein für Rasenspiele, zweimal uralte Clubs aus Arbeiterstädten und zweimal höchster Glanz vergangener Tage. Diese Folklore traf sich am Freitag zum Freundschaftskick auf einem Nebenplatz im Schatten des Frankenstadions. Es muss nicht immer die ganz große Bühne sein – keine Lachshäppchen, sondern ein warmes Bier aus einem Einkaufswagen heraus verkauft.

 

Ich wage sogar anzuzweifeln, dass sich die Spieler beider Vereine bewusst sind, welches ruhmreiche Trikot sie über die Wiese tragen. Der VFR aus der Quadratestadt war der erste Deutsche Meister, welcher die heute noch bekannte Schale überreicht bekam. Anno 1949 siegte der VFR in der „Hitzeschlacht“ von Stuttgart gegen Borussia Dortmund mit 3-2. 92.000 Seelen säumten damals das Neckarstadion. Auf der anderen Seite der VFR mit seiner Historie – seinen Jahren in der zweiten Liga und legendären Pokalerfolgen der A-Jugend.

 

Die gegenwärtige Realität bedeutet Landesliga Württemberg gegen Verbandsliga Nordbaden. Hier finden wir sicher unterschiedliche Wahrnehmungen der Clubs mit den vielen Gemeinsamkeiten. Während Mannheim seine Ziele eher in Ober-und Regionalliga sucht, ist der erst vor einigen Jahren wiederbelebte VFR Heilbronn mit dem errungenen Aufstieg mehr als zufrieden – sicher aber auch noch lange nicht am Ende.

 

Die Begegnung an diesem Abend war ein flotter Vorbereitungskick. 2-4 hatte „Monnem“ am Ende die Oberhand. In der zweiten Halbzeit konnte Heilbronn immer wieder schnelle Vorstöße setzen und kämpfte sich bis auf ein Tor ran, ehe der Verbandsligist kurz vor dem Ende das Spiel entschied.

Viele Spieler wurden auf beiden Seiten eingesetzt, auch in dieser Saison wird mich eher der Schwarz/Weiß gestreifte VFR begleiten. Schwer einzuschätzen welcher Kicker sich auf die ersten Elf zubewegt. Die Besetzung in den zweiten 45 Minuten konnte aber durchaus Werbung für sich machen.

Bester Ballspieler an diesem Abend war Ali Ibrahimaj – der Mann spielte vor 2 Jahren noch beim KFC Uerdingen in Liga 3 und glänzt nun mit leichtem Bauchansatz aber überragenden Fähigkeiten beim VFR Mannheim. Er und seine Kameraden sind dabei, wenn es um den Aufstieg in die Oberliga geht.

Nein, es ist aktuell nicht die ganz große Bühne, wenn VFR auf VFR trifft. Aber ich trinke im Schatten vergangener Jahrzehnte tausendmal lieber warmes Bier aus einem Einkaufswagen als im WM Staat Katar einen gut gekühlten alkoholfreien Champagner.

 

Freitagabend – Nebenplatz – Traditionsduell. Das ist mein Fußball

Grenzwertig

 

Relegation zur Bezirksliga Unterland Runde 1

 

SGM Höchstberg/Tiefenbach vs. FV Wüstenrot 

 

TSG – Sportanlage Wertwiesen

 

Ist das noch zu verantworten? Knapp 40'C zeigte das Thermometer auf der TSG Sportanlage mitten in Heilbronn. Der Anstoß um 17.00 Uhr – zugegeben an diesem Tag wäre jede Uhrzeit vor 22.00 Uhr problematisch geworden, aber dennoch – es war fucking heiß und wie ich finde auch gefährlich.

Als ich Fußballspieler war habe ich dieses Wetter geliebt – da sprachen wir aber über 10 Umdrehungen weniger im Backofen. Ich hätte bei diesen Gegebenheiten auch zu meinen besten Zeiten – die gab es tatsächlich – nicht spielen wollen. Man merkte es den Mannschaften an, der eigentliche Gegner war die Hitze und weniger der Kontrahent.

 

Zusätzlich möchte ich hier an die Vereine appellieren endlich wieder Bäume und andere schattenspendende Elemente auf den Anlagen zu pflanzen. Im sehr schönen Stadion der TSG gab es lediglich eine kleine Ecke ohne die pralle Sonne in der Fresse – da halfen auch die 8 kleinen Sonnenschirme nichts mehr.

 

Gespielt wurde aber dennoch, die Sympathien unter den 500 Zuschauern waren klar in Richtung Höchstberg verteilt. Ein stimmgewaltiger Fanblock mit Fahnen und Trommeln unterstützte den Herausforderer aus der Kreisliga A2.

 

Die SGM war über die komplette 1. Hälfte die spielbestimmende Mannschaft und scheiterte vor dem Tor eher an den eigenen Nerven als am Gegner. Kurz vor der Pause viel dann dennoch der Führungstreffer durch Dennis Knapp – verdient und dem Spielverlauf angemessen.

Zwar behielt das Team aus Höchstberg auch in den zweiten 45 Minuten die Initiative, ließ aber durch ungeschicktes Verteidigen beste Chancen für Wüstenrot zu. „Hami“ Bouidia scheiterte freistehend auf der Linie und sorgte mit dieser Aktion unfreiwillig für die Szene des Tages. Darum kam es wie es kommen musste, Tim Schädler traf per Elfmeter und markierte den verdienten 2-0 Endstand. Das bedeutet die Qualifikation zum Endspiel um den Aufstieg in die Bezirksliga. Kicken bis Ende Juni – da waren andere Mannschaften schon zwei Mal auf dem Ballermann. Nichts für Weicheier dieses Unterland und wahrlich nichts für Sonnenverächter dieses Spiel. Brütende Hitze, kaum Schatten und Spieler am Limit – selbst die Stadionwurst wurde an diesem Tag gegen Wasser getauscht – mehr muss ich wohl nicht sagen, außer Glückwunsch an die SGM Höchstberg/Tiefenbach.

Le Final de Elsass

 

FC Truchtersheim/Stutz vs. FC Eschau 4-2

 

18.06.2022 Stade Municipal Oberhausen

 

Finale Coupe D Alsace oder auf Alemannisch – das Finale um den ElsassPokal. Auch im Lande des Fußballweltmeisters können sich die Vereine der unteren Ligen für höhere Aufgaben qualifizieren. Daher ist dieser Wettbewerb am ehesten mit unserem heimischen Verbandspokal vergleichbar.

 

Das Beruhigende vorneweg – der Ball ist auch in Frankreich rund. Allerdings findet man bei genauerer Betrachtung allerhand Unterschiede zum Kick auf unseren bekannten Sportplätzen. Die Szenerie erinnert stark an ein Kreispokalfinale, wenngleich das gesamte Elsass mit um den Pott spielt. An die 600 Zuschauer pilgerten ins Stade Municipal in Oberhausbergen, einem Vorort von Straßburg. Die Kontrahenten spielten an diesem Tag nicht in ihren eigentlichen Trikots und Vereinsfarben, sondern eigens fürs Finale angefertigtem Stoff in Grün- und Neonorange. Das Logo vom Verband auf der Brust und den Werbepartner des Wettbewerbs auf dem Bauch gabs obendrauf – Supermaché – Allez Allez!!! Die Fähigkeiten der Mannschaften können unserer Landesliga zugeordnet werden, mit zunehmender Spieldauer wurde das bei Temperaturen um die 35 Grad nicht besser und es entwickelte sich ein wenig strukturierter aber durchaus spannender Finalkick.

 

Truchtersheim war als Aufsteiger in Liga 4 (Die National 2.) favorisiert und lag nach 15 Minuten mit 0-2 in Rückstand. Ein Elfmeter nach 30 Sekunden und ein schöner Spielzug – der schönste an diesem Tag – brachten den FC Eschau in Front. Nach der anfänglichen Unruhe wie es für Finalspiele üblich ist, entwickelte sich eine offene Partie geprägt von einem für mich nicht nachvollziehbaren Ein- und Auswechselspielchen. Mehr oder weniger „fliegend“ wurde getauscht – manche Spieler durften drei Mal rein und wieder raus – ohne jeglichen Rückschluss auf Taktik oder Leistung war somit eine ständige Unruhe auf dem Platz.

 

Nach einer Portion Pommes in der Halbzeit und dem landestypischen Orangina konnte Truchtersheim in Minute 50 ausgleichen und im letzten Drittel der Partie sowohl seine Klasse und die erkennbar bessere Physis ausspielen. 4-2 wurde gewonnen und mit Pyro inklusive Platzsturm standesgemäß gefeiert. Bester Spieler seiner Mannschaft war Louis Kleinbeck, er brachte die nötige Härte und Schnelligkeit mit um auffallend herausragender Man of the Match zu werden. 2 Kisten machte er obendrein – Willkommen in der K-B Elf 22/23.

 

Erwähnenswert ist die Herzlichkeit, mit welcher man auf dem Sporti behandelt wurde. Jede Sprachbarriere wurde mit einem Lächeln überwunden – Frankreich war wie immer eine Reise wert.

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