Und wir holen den Pokal 

Dieser Artikel erschien im Kuckuck Kurier am 20. November 2016 vor dem Heimspiel gegen Treschklingen. Der SV Reihen gewann das Spiel mit 2-0. 

 

SV Reihen 5-3 SV Treschklingen 

In Zeiten, in denen es sportlich nicht so gut läuft, und die Siege weniger werden, ist ein Blick in die jüngere Vergangenheit unseres Vereins umso schöner und auch wichtig. Wenn man zurückblickt auf die Spielergeneration, welche den Aufstieg von der B-Klasse bis in die Landesliga geschafft hat, kommt man an einem ganz besonderen Spiel nicht vorbei. Vielleicht ist dieses Spiel, von dem ich schreibe, sogar ein Spiegelbild dieser erfolgreichen Zeit und auch eine Inspiration unserer heutigen Mannschaft. Manchmal sind es nicht die Spiele, bei denen es Pokale gibt, oder bei denen Aufstiege gefeiert werden. Es ist nicht das souverän gewonnene Relegationsspiel gegen Neckarbischofsheim oder einer der 23 Siege aus der Saison der Kreisligameisterschaft 2015. Dieses Spiel war das Kreispokalviertelfinale am 23.03.2013 gegen Treschklingen. Klirrende Kälte im Prof.-Karolus-Stadion, der Sportplatz ist vereist. Der SV Reihen, Spitzenklasse in der A-Klasse, trifft auf den Kreisligisten SV Treschklingen. Zunächst läuft für die Gäste alles nach Plan. Die Mannschaft aus Treschklingen führt nach 22 Minuten 2:0 und ist gut im Spiel. Der Klassenunterschied ist gegen die ausgefuchste Mannschaft in schwarz/gelb erkennbar. Zu clever und abgebrüht scheint der Gegner an diesem Tag zu sein. Dem Anschlusstreffer nach Elfmeter folgt kurz vor der Halbzeit der 3:1. Die Mannschaften gehen in die Kabine und das Spiel scheint entschieden. Manchmal sind es nur kleine Momente, minimale Auslöser, an denen Funken ein großes Feuer entfachen. Wer in dieser besagten Halbzeit in der Kabine des SV Reihen war, hat so einen Moment erlebt und weiß, wovon ich rede. Nach diesen 15 Minuten hat kein Spieler in den damals grauen Pumatrikots auch nur im Geringsten daran gezweifelt wer dieses Spiel gewinnt. Die Mannschaften kommen zurück auf den vereisten Platz und Reihen brennt an wahres Feuerwerk an Kampfgeist, Wille und Emotion ab. Christian Seyfert, der diesen Sieg mit einem Kreuzbandriss und dem damit verbundenen Ende seiner Fußballer Laufbahn teuer bezahlte, zimmerte einen Standard nach dem anderen vor das Treschklinger Tor. Dort standen die Gebrüder Hack und drehten das Spiel innerhalb 20 Minuten auf 4:3. Kein Zweikampf ging mehr verloren. Die Mannschaft wurde zu einer unbesiegbaren Einheit. 5:3 wurde dieses Spiel gewonnen. Nicht mehr als ein Moment. Aber ein Spiegelbild dieser Generation, die an den meisten Spieltagen nur ein Ziel hatte, gewinnen für den SV Reihen. Wenn die Mannschaften am Sonntag auflaufen, sind aus der damaligen Elf noch genau 4 Spieler im Kader der 1. Mannschaft. Marc Heller, damals ein Junge aus Reihen, mit großem Potential, ist heute Kapitän. Unsere Mannschaft muss neue Momente schaffen, ihre ganz eigenen Erlebnisse kreieren. Am heutigen Spieltag ist der Tabellenführer aus Treschklingen zu Gast. Es ist Zeit für neue Momente und heute ein guter Tag, damit anzufangen.

Orange trägt nur die Müllabfuhr

 

FC Weiler - SV Reihen 2:3

 

Wir schreiben den 01.11.2009. 11. Spieltag der Kreisklasse A. Der SV Reihen tut sich schwer als Aufsteiger in der neuen Liga. Die ersten 5 Spiele wurden alle samt verloren und es droht der direkte Wiederabstieg. Selbst in derart tristen Spielzeiten wie dies eine war, gibt es Spiele, die nicht einfach im Laufe der Zeit verschwinden dürfen.

Dieses besagte Match, war das Derby in Weiler. Unser SV fuhr als Außenseiter auf den Steinsberg. Der FC, konnte der Kreisklasse B ein Jahr früher entkommen und war drauf und dran sich zu etablieren.

Eine Zuschauerkulisse, welche eher einem Pokalfinale glich, sammelte sich im Schatten der Burg. Man konnte die Anspannung beider Teams greifen. Kein Spiel wie jedes andere. Jedoch konnte zu diesem Zeitpunkt niemand ahnen, dass sich eines der wohl spannendsten und denkwürdigsten Spiele der jüngeren Vereinsgeschichte entwickeln würde. Unser SV Reihen, gekleidet in den zu dieser Zeit knall orangenen Auswärtstrikots, wurde von Beginn an „freundlich“ begrüßt.

Die ansässige Dorfjugend aus Weiler hatte jüngst einen Ultra Fanclub gegründet, welche spöttisch in dauerschleife sang, dass orange doch nur die Herren von der Müllanfuhr tragen würden.

Zunächst war der Jubel auf Seiten der Halbstarken aber groß. Schon nach drei Minuten brachte Johannes Schmidt den FC Weiler in Führung. Die damalige SV-Verteidigung um den legendären Libero Nesho Duric, war wohl noch dabei die Müllabfuhr klängen zu lauschen und so lag man früh hinten. Was folgte war Kampf, Provokation und wenig durchdachte Spielzüge. Seltenreich hatte kurz vor der Pause noch die große Chance zu erhöhen, köpfte aber knapp am Tor vorbei. Gleiches Bild in Halbzeit 2. Der zum damaligen Zeitpunkt noch spielende Trainer Georg Böhmann, hatte mehr mit abräumen zu tun und so konnte sich kein schönes, jedoch ein mit Kampf und Wille geführtes Spiel entwickeln. Alles deutete auf den Gastgeber hin, bis sich Reimann in der 77. Minute ein Herz fasste und aus 20 Metern den Ball ins Tor zimmerte. Kurz zuvor hatte sich der FC durch eine gelb rote Karte dezimiert und so taten sich langsam, aber sicher Löcher im Spiel der Hausherren auf. Wähnte der Reihemer Anhang schon einen gewonnenen Punkt, ging das Spiel erst richtig los. Der zuvor noch vom Torerfolg berauschte Reimann wurde nach einem „Allerweltsfaul“ mit Rot vom Platz gestellt. Was genau der ansonsten gute Schiedsrichter dem SV-Spielführer vorwarf, bleibt bis heute sein Geheimnis. In ausgeglichener Mannschaftsstärke schien sich das Blatt wieder zu wenden. Der eingewechselte Schulz war in der 84. Minute schneller als die komplette orangene Abwehr und markierte den viel umjubelten Führungstreffer.

Niedergeschlagen und abgekämpft gingen die Köpfe nach unten. Doch Georg Böhmann hatt gleich zwei Trümpfe im Ärmel. Eingewechselt wurden Obereicher und Maag. Schon allein als sich unser Wuchter das Trikot anzog, begann so manches Weilemer Bein zu wackeln. Nicht jeder Verein hat eben einen ehemaligen Oberligastürmer auf der Bank. In der 87. Minute war eben dieser erfolgreich und köpfte zum 2-2 ein. Doch dies ist noch nicht das Ende der Geschichte. Eine harmlose Flanke auf den kurzen Pfosten, wir schreiben Minute 93. Christian Seyfert, für einiges bekannt, jedoch nicht für seine Kopfballstärke, stieg zur finalen Aktion in ungewöhnliche Höhen auf. Nie mehr stand er so hoch. Manche behaupte, nur durch den am Fuße des Steinsbergs möglichen Auftrieb des Windes, war es für Seyfert möglich diesen Ball zu erreichen. Wäre der Ball wohl auch von allein ins Tor gekullert, grätschte ihn Obereicher zur Sicherheit in die Maschen. Was folgte war ein Jubelsturm auf dem Platz, welcher noch heute seines gleichen sucht. Abgekämpfte Männer in Orange wussten nicht wohin mit so viele Freude. Am Ende dieses denkwürdigen Spiels war der SV vollkommenin der neuen Klasse angekommen. Den Abstieg mussten Monate später andere verarbeiten und wohin die Reise des 1920 gegründeten Traditionsvereins ging, dürfte allgemein bekannt sein.

 

10 Jahre "Drama gegen Tiefenbach"

SV Reihen 1:3 SV Tiefenbach

Ich kann es bis heute nicht erklären. Auch 10 Jahre danach, frage ich mich manchmal, wie dieses Spiel verloren gehen konnte. Der 05. Juni 2011 bleibt für so manchen Spieler und Fan ein Mysterium.

Wirklich alles war an diesem Tag auf Sieg ausgerichtet. Eine gute Runde in der Kreisklasse A bescherte meinem SV Reihen das lang erhoffet Finale. Letzter Spieltag, Heimspiel gegen Tiefenbach. Die Gelb-Schwarzen müssen gewinnen, dem SV Reihen reicht ein Unentschieden zum erhofften Relegationsspielderby gegen den TSV Steinsfurt.

10 Jahre nach dem schmerzlichen Abstieg aus der Bezirksliga will das ganze Dorf seinen Sportverein wieder im Oberhaus Sinsheim sehen. Selbst die „Let´s go Reihen“ Fahne fand an diesem Tag wieder seinen Platz am den Zaun.

Während mein SV in dieser Saison ein nicht ganz so geheimer Geheimtipp für den Aufstieg war, galt Tiefenbach als krasser Außenseiter. Ein prall gefülltes Prof. Karolus Stadion, bei Hitze um die 35 Grad, bot eine würdige Kulisse für dieses „Finale-furioso“. Der Gegner aus dem Weindorf leistete dazu seinen Beitrag und bevölkerte nahezu die komplette Gegengerade mit Sympathisanten.

Alle trugen Keil.

Einer wurde schmerzlich vermisst. Der damalige Youngstar und Hoffnungsträger Chris Keil wurde 4 Tage vorher durch eine der unberechtigtsten roten Karten die ich jemals sah vom Platz gestellt und war gesperrt. Als Sympathiebekundung machten sich die Spieler vom SV Reihen allesamt in der Nummer 9 warm und trugen den Namen ihres Stürmers auf dem Rücken. Die Frage ob dieses Spiel mit Keil hätte gewonnen werden können wird partiell noch heute rauf und runter diskutiert. Sie bleibt für immer unbeantwortet, die Siegchancen wären aber sicher nicht kleiner geworden. Was jedoch an Spielermaterial übrig blieb, war für diese Liga außergewöhnlich und hätte auch an diesem Tag für einen Sieg reichen müssen. Dietz, Reimann, Maag und Seyfert waren nur einige der Führungsspieler dieser Zeit. Letzt genannter wurde 2 Sekunden nach Anpfiff durch einen Kung-Fu tritt von den Beinen geholt. Der Schiedsrichter überlegte lange, war aber nicht mutig genug zu diesem Zeitpunkt die rote Karte zu zeigen. Gefühlt war das damals eine Ungerechtigkeit, das Statement der Tiefenbacher war aber klar. „Kampflos gehen wir nicht heim“.

Trotzdem gehörte der Heimelf die Anfangsphase. Nach 13 Minuten viel sogar der umjubelte Führungstreffer durch Maag per Strafstoß. Ich hatte zu diesem Zeitpunkt schon vor Augen wie ich Benjamin Rippel vom TSV Steinsfurt vor 2000 Zuschauer den Ball abgrätsche. Und ich bin sicher, diese Illusion hatte ich nach einer viertel Stunde Spielzeit nicht alleine. Dies würde auch erklären, warum meine Freunde und ich ab sofort das Fußballspielen einstellten und Ball, Raum und Initiative den Gästen überließen. 30 Minuten ging die Geschichte noch gut, bis der Ausgleich viel. Ich weiß noch ganze genau welche Puma King Schuhe den Ball nicht richtig klärten.

Tiefenbach war ab diesem Moment ein Hai der im Meer Blut riecht. In jedem Zweikampf waren diese Jungs einfach zielstrebiger. Sie wollten es nicht mehr als wir. Aber sie waren bereit, mehr dafür zu tun. Das 1-2 in der 65. Minute war verdient und lag lange in der Luft. Die Seifenblase war geplatzt. Wir schauten uns gegenseitig in die Augen und jedes Gesicht sprach das gleiche: „Mach was!!!“
Mehr als halbherzige Einzelaktionen waren nicht mehr drin und das 1-3 kurz vor dem Ende riss auch den Letzten aus seinen Träumen.

Ich habe im Nachhinein viele Gründe für diese Niederlage gefunden und der weitere Weg dieser Mannschaft hat gezeigt, dass man durchaus seine Lehren daraus gezogen hat. Jedoch kann ich auch 10 Jahre nach diesem Spiel nicht wirklich glauben, dass es verloren ging. Der Vollständigkeit halber sei erwähnt, Tiefenbach verlor das Relegationsspiel gegen Steinsfurt. Ich bin fast sicher, wir hätten auch nicht gewonnen.

Ich kann mich noch genau erinnern, dass ich damals keinem Tiefenbacher zum Sieg gratuliert habe. Die Enttäuschung war einfach zu groß. Es ist aber Chronistenpflicht Ereignisse so objektiv wie möglich zu bewerten und zu Papier zu bringen. Darum fällt es mir in einer anderen Funktion im Verein zwar immer noch nicht leicht, aber:

 

10 Jahre "Drama gegen Tiefenbach" sind vergangen.

 

Glückwunsch an die Mannschaft aus Tiefenbach zum verdienten Sieg.

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