Reihemer Lach und Sachgeschichten
Zeiten erhöhter Aufmerksamkeit dürfen gerne auch einmal für etwas Gemeinschaftskunde genutzt werden.
Der Kuckuck in Reihen ist derzeit in aller Munde – nicht erst, seit Sympathieträger August den SV bereichert. Die wenigsten wissen jedoch, woher dieser Name eigentlich stammt.
Man könnte vermuten, weil Reihener Stürmer seit jeher gerne und zahlreich die Bälle in fremde Nester legen. Die Geschichte, wie ich sie kenne, hat sich allerdings schon einige Zeit vor den Schwarz-Weißen aus dem Karolus-Stadion zugetragen.
Ein Reihemer Bauer hatte einst auf dem Feld einen Kuckuck gefangen. Nicht ganz freiwillig: Das Tier wollte aus seiner hölzernen Brotdose mitessen und verfing sich dabei äußerst unglücklich darin.
Das wiederum entfachte das darwinistische Interesse des Landwirts. Er nahm den Kuckuck samt Dose mit nach Hause und wollte testen, ob der Vogel wirklich so schlau sei, wie man ihm nachsagte — und ob er sich aus eigener Kraft aus seiner misslichen Lage befreien könne.
Nach vier Tagen sah der Bauer nach. Sowohl der Kuckuck als auch das Brot waren verschwunden.
Das ganze Dorf rätselte über den Verbleib — allerdings nur kurz. Denn wenig später ließ sich der Vogel auf dem Scheunendach des Bauern nieder und rief von dort an fortan täglich, als wolle er den Hofbesitzer persönlich auslachen.
Der Bauer soll darauf nur trocken gesagt haben:
„Des Brot konnsch hawe, awer vergess ned, wod herkumsch.“
Wie der Kuckuck aus seiner Lage entkommen ist, ob Magie im Spiel war, der junge Sohn des Bauern eine Rolle spielte oder ob sich alles vielleicht doch ganz anders zugetragen hat, kann wahrscheinlich nicht einmal Jonathan Frakes abschließend beantworten.
Fakt ist: Die Reihemer sind seit jeher die Kuckucks — und davon zeugt im Ort tatsächlich einiges.
Das Kuckuckswäldchen beim Sportplatz, der Kuckucksweg, die Tanzgruppe Kuckuckskinder des Carnevalsvereins und nicht zuletzt der Kuckucks-Blog sowie August im Stadion.
Ein außergewöhnlicher Uzname für ein nicht ganz gewöhnliches Dorf.
Der Kuckuck selbst gilt als eigenwillig und schwer einzuordnen — ein besonderer Vogel eben. Vielleicht passt gerade deshalb dieses Tier so gut zu diesem Dorf. Und zu diesem Verein.
Vielleicht erzähle ich irgendwann mal das die Reihemer auch eine Zeit lang Pumpernickel genannt wurden, oder warum die Weilemer die Bären sind – aber das sind wieder ganz andere Geschichten.