Vielleicht darf ich euch mal kurz mitnehmen – in den Maschinenraum hinter dem Kuckucks-Blog.
Wie entstehen eigentlich manche Interviews?
Während ich am Wochenende, Müsli kauend, auf dem Sofa saß und im Fernseher über Rocky Balboa stolperte, fiel mir dieser alte Satz ein:
„Es zählt nicht, wie hart man zuschlägt, sondern wie viele Schläge man einstecken kann und trotzdem weitermacht.“
Wie passend für das, was den SV Reihen in der kommenden Woche erwartet.
Wie passend für diese Phase.
Und wie passend für einen Spieler.
Lukas Hauck hat mit dem Sportverein in über einem Jahrzehnt alles erlebt:
Er wurde völlig überraschend Meister, stieg wieder ab, scheiterte in der Relegation – und holte den Pokal.
Und er hat auf die härteste Art erlebt, was es bedeutet, einzustecken.
Innerhalb eines Jahres brach er sich zweimal das Schienbein.
Im Prof.-Karolus-Stadion gegen Ittlingen.
In Treschklingen.
Zweimal Krankenwagen. Zweimal Operationstisch.
Und zweimal – nach dem ersten Schock – die gleiche Gewissheit:
„Das war’s jetzt wohl mit dem Fußball.“
Er hat alle eines Besseren belehrt.
Vielleicht auch ein Stück weit sich selbst.
Wie sehr muss man diesen Sport lieben, wenn man mit über 30 Jahren und zwei solchen Verletzungen im Gepäck noch immer sonntags das Trikot überstreift?
Wer mit Lukas spricht, spürt sofort:
Da geht es um mehr als nur darum, einem Ball hinterherzujagen.
Fußball bedeutet Freundschaft. Gemeinschaft. Lebensinhalt.
Und ja – er war nie der Gegenspieler, gegen den man besonders gerne spielt.
Auf dem Platz lebte er eher nach einer ganz eigenen Boxer-Weisheit:
„Geben ist seliger als nehmen.“
Einer, der viel von dem verkörpert, was diesen Verein in den letzten Jahren getragen hat.
Einer, der weiß, wie man austeilt.
Aber eben auch einer, der weiß, wie man einsteckt.
K-B: Lukas, wenn man auf deine letzten Jahre schaut, sieht man nicht nur Fußball – sondern vor allem Widerstandsfähigkeit. Zwei schwere Verletzungen innerhalb von einem Jahr … gab es Momente, in denen du gedacht hast: „Das war’s jetzt“?
Nach fast 12 Jahren ohne schwere Verletzungen waren die letzte 4 Jahre für mich persönlich wirklich hart.
Ich muss ehrlich sagen bei beiden Verletzungen war es so, dass nach der direkten Diagnose Schienbeinbruch im Krankenhaus eine Welt für mich zusammengebrochen ist. Nicht aber weil ich Bedenken hatte nicht zurückzukommen, sondern weil mir der geliebte Fußball, der Verein und meine Freunde erst einmal für eine unbestimmte Zeit fehlen werden. Eins war mir aber immer klar, ich werde zurück kommen!!!
Um nach zwei so schweren Verletzungen wieder zurückzukommen gehört viel, nicht nur die Körperliche Gesundheit, sondern auch die Personen, die einen geistig wieder aufbauen. Ein großer Dank an dieser Stelle an meine Partnerin Lena und alle engen Freunde, die immer für mich da waren und mir Mut zugesprochen haben!!
K-B: Der Oktober scheint in deiner Geschichte ein besonderes Kapitel zu sein – zweimal brutale Rückschläge, aber auch dieses Tor am 30.10.22 gegen Epfenbach. Glaubst du an sowas wie
„Fußball-Schicksal“ oder machst du dir deine Momente selbst? Oder anderst – kann man so ein Comeback auch erzwingen?
Du sagst es, der Oktober war eigentlich nie so richtig mein Monat ….
Ob es ein Fußball-Schicksal gibt, kann ich so direkt gar nicht sagen. Wenn Ja, dann kenn ich das Positive und das Negative.
Jedes Comeback ist in meinen Augen verbunden mit dem Gefühl für seinen eigenen Körper. Dennoch sind für die „eigenen Momente“ Einstellung, absoluter Wille, Leidenschaft und Leidensfähigkeit in meinen Augen Grundvoraussetzungen.
Das erwähnte Tor, hilft einem natürlich ungemein, besonders wenn man eigentlich nicht für Tore schießen bekannt ist.
K-B: Du bist heute vielleicht nicht mehr der, der 30 Spiele 90 Minuten durchgeht – aber einer, der auch von außen enorm wichtig ist. Was bedeutet es dir, gerade jetzt vor so einem Pokalfinale Teil dieser Mannschaft zu sein?
Brutal viel, ich bin enorm stolz ein Teil der Mannschaft zu sein.
Für mich, auch wenn es schon viele Spiele waren, die ich gespielt habe, ein weiteres absolute Highlight in meiner Fußballerischen Laufbahn. Ich hoffe ich kann der Mannschaft auf dem Platz oder außerhalb helfen ein weiteres Mal Vereinsgeschichte zu schreiben. Eins steht fest, ich persönlich werde ALLES dafür geben, um den Pokal ein weiteres Mal zu gewinnen, egal in welcher Rolle ich an diesem Abend Stecken werde.
Wenig Spieler des SV Reihen haben es geschafft den Pokal zwei Mal zu gewinnen.
"Emmotionaler Moment - Pokalsieg 2025"
K-B: Letztes Jahr beim Pokalsieg wurdest du unter großem Applaus eingewechselt. Nimm uns mal mit: Was geht dir in so einem Moment durch den Kopf, wenn du weißt, was du alles hinter dir hast?
Wir waren noch zu 3. beim Warmmachen, ich wusste ein Wechsel ist noch übrig, der nächste Name, der von den Coaches gerufen wird, spielt alle anderen gehen leider leer aus.
Wo die Trainer meinen Namen gerufen haben, dachte ich im ersten Moment habe ich da richtig gehört? – Ja habe ich !
Auch wenn es vllt. nur 10 Minuten im Finale waren, für mich waren es ganz besondere 10 Minuten. Nämlich 10 Minuten in den ich gebraucht werde, dass der SV Reihen nach 25 Jahren wieder Pokalsieger werden kann. Gefühle von Stolz, Demut, vollkommener Zufriedenheit und Dankbarkeit für das Vertrauen.
Es gab auch einen traurigen Moment, kurz vor der Einwechslung habe ich an meine 2023 verstorbene Mama gedacht. Sie war gewissermaßen mein größter Fan, diesen Moment mitzuerleben hätte Sie sicher sehr gefreut.
K-B: Der SV Reihen geht als Underdog ins Finale. Eine Rolle, die du persönlich ja auch kennst – immer wieder zurückgeworfen und trotzdem wieder aufgestanden. Wie viel von deiner eigenen Geschichte steckt in dieser Mannschaft?
Schwer zu sagen, die Rolle des Underdogs war mir aber persönlich immer am liebsten, keiner hat damit gerechnet, wir haben es trotzdem geschafft. Ich glaube diese Rolle liegt dem SV Reihen besser als der klare Favorit zu sein.
Die Mannschaft ist jünger geworden, bestückt mit Spielern wie z.B. Silas & Luca, Massimo, Claudio und Marlon die ein wahnsinniges Talent haben. Richtige Typen, die die DNA des SV Reihen weiterleben lassen, gibt es auch, hier gilt es unter anderem Max, Darius und Yannik O. zu erwähnen.
Ich habe den Jungen Buben immer versucht vorzuleben auf was es beim SV Reihen ankommt, vllt steckt dadurch ein wenig meiner Geschichte in der Mannschaft.
K-B: Du hast dich nie nur über den Platz definiert, sondern auch neben dem Feld viel für den Verein gemacht. Was macht den SV Reihen für dich zu mehr als „nur“ einem Fußballverein?
Der SV Reihen, war für mich ab Tag eins nicht nur "ein" Fußballverein, sondern „mein“ Fußballverein.
Ein Verein der Werte wie Zusammenhalt, Kameradschaft und Hingabe lebt, mit denen ich mich zu 100% identifizieren kann.
Ein Verein mit tollen Menschen, denen ich viel zu verdanken habe - Georg Böhmann, Timo Maag oder Sascha Reimann die mir von Anfang an das Gefühl gegeben haben ein Teil eines ganz besonderen Vereins zu sein. Ich habe mich hier immer wie Zuhause gefühlt.
"Ich habe mich hier immer Zuhause gefühlt - Lukas mit Georg Böhmann"
K-B: Wenn du der Mannschaft vor dem Finale einen Satz mitgeben dürftest – aus deiner Erfahrung heraus, aus deinen Rückschlägen, aus deinem Comeback – welcher wäre das?
Egal was kommt, glaubt an euch und an eure Stärken, nehmt die Brust raus und seit selbstbewusst ! Zeigt den Menschen da draußen zu was ihr in der Lage seid zu Leisten.
"Wer fällt und wieder aufsteht, ist stärker als der, der nie gefallen ist."
Als junger Kerl aus der B-Klasse gekommen und als Kreisliga-Meister & Pokalsieger gegangen (hoffentlich 2-Facher).
Am Ende gilt es DANKE zu sagen:
Danke für unzählige Momente die ich nie vergessen werde
Danke für all die Freundschaften, die durch den SV Reihen entstanden sind und mir sehr viel bedeuten (Claudio, Obbes, Robin, Jan K. und alle anderen die ich vllt vergessen hab)
Danke für die Unterstützung auch in schweren Zeiten
Danke dass ich sein durfte, wie ich bin und Ihr mich so genau so akzeptiert habt.
Danke einfach für alles SV Reihen!!