Nebenplatz-Geräusche 

Der Kuckuck selbst hat kein Nest. Und dennoch sind die Herren des SV Reihen im April 2026  etwas heimatlos geworden. Sektion Stadionverbot mit einigen Nebenplatz-Geräuschen - wir schrauben uns mal kurz eine Bestandsaufnahme zusammen und richten schonmal den Werkzeugkoffer fürs Derby.

 

Am gestrigen Sonntag fand bereits das zweite Heimspiel auf dem Nebenplatz statt – und prompt setzte es die zweite Niederlage. Das Prof.-Karolus-Stadion scheint also doch mehr zu sein als nur ein Sportplatz. Offenbar befindet sich aktuell nicht nur der Rasen dort, sondern auch die Mannschaft in einem kleinen Renovierungsprozess.

 

Während man in den vergangenen beiden Jahren jeweils auf einer Erfolgswelle durch die Rückrunde surfte, fühlt sich das Frühjahr in dieser Saison erstaunlich behäbig an. Und das, obwohl man erneut vor einem Pokalfinale steht. Nur acht Punkte aus den vergangenen neun Spielen sind zu wenig und lassen den SV ins Mittelfeld der Tabelle abrutschen.

 

Gründe dafür kann man suchen. Der Ausfall von Chris Keil wiegt noch schwerer als gedacht. Zwar hat der Stürmer mit seiner Spielweise nicht immer in großem Umfang zum Kombinationsspiel beigetragen, aber er war – vor allem dann, wenn es nicht lief – oft der Gamechanger. Ein Chaosmacher mit überragender Trefferquote in schwierigen Spielphasen. Die Räume, die er durch seine Torgefahr für seine Mitspieler öffnete, sind aktuell dicht. Und bislang findet man kaum Mittel, diese wieder aufzubrechen.

 

Auch in der hinteren Reihe lässt sich ein Ausfall derzeit nicht gut kompensieren. Hesselschwert ist sicher nicht für spektakuläre Grätschen bekannt. Was aber fehlt, ist seine Kommunikation und vor allem sein kluges Aufbauspiel. Der erste Pass. Der Takt von hinten. Durch diese Ausfälle musste Max Lorenz zuletzt in die Abwehrreihe rücken – nachvollziehbar, aber dadurch fehlt wiederum die Stabilität im Mittelfeld.

Wucht nach vorne entwickelt der SV derzeit kaum. Die Idee, Fabi Hack gestern in den letzten 15 Minuten weiter nach vorne zu ziehen, war daher nachvollziehbar – und brachte zumindest etwas mehr Durchschlagskraft.

"Irgendwie am Ball bleiben - am Sonntag steht das Derby in Weiler an"

Dass Obländer bereits nach 40 Minuten runter musste, nahm der Mannschaft einen weiteren Anker. Das Spiel wirkte dadurch noch strukturärmer. Oder, um auch hier den Bogen zum veränderten Standort zu schlagen: heimatlos.

 

Niemand muss um Gottes Willen jetzt das große Ganze in Frage stellen. Aber man kann die aktuelle Krise auch nicht wegreden. Es ist nicht nur eine Ergebniskrise, sondern auch eine Problemsituation im Spiel selbst. Dass in so einer Phase ein paar Nebengeräusche entstehen, ist selbstredend. Unzufriedenheit und Frust müssen irgendwo hin.

 

Umso besser, dass sich die Lage schnell wieder verändern kann. Das anstehende Derby am kommenden Sonntag könnte helfen, sich in ersten Schritten aus dieser Dynamik herauszuarbeiten.

Ein Sonderspieltag. Raus aus dem tristen Liga-Alltag. Viele Zuschauer, es knistert schon während der Woche – genau das könnte die Situation verändern. Auch wenn weitere Ausfälle bereits bekannt sind - Lorenz ist gesperrt, Obländer angeschlagen - und im Moment vieles gegen den SV spricht: Dieser Verein ist doch immer dann am stärksten, wenn die Lage am schwierigsten ist. Dann greift dieses Wir-Gefühl am meisten. Dann verleiht das Trikot mit dem kleinen Lindenbaum auf dem Rücken wieder Stabilität. Dann sind alle Nebengeräusche verstummt - dann ist es nur noch laut.

 

Holt den Vorschlaghammer !!!

 

Auf in die Derby-Woche!

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