Kleine Dörfer, Große Liga

Die Sinsheimer und die 2. Amateurliga

 

Man sieht sie noch heute: leicht verstaubte Mannschaftsbilder in den Ecken alter Clubhäuser. Man hört sie in Gesprächen auf Sportplätzen, in Vereinsheimen oder bei den berühmten „weißt du noch?“-Momenten der Zeitzeugen. Namen wie die Gebrüder Vettermann fallen. Längst verblasste Vereinsnamen tauchen wieder auf. Oder wer erinnert sich heute noch an den Dresdner SC Heidelberg?

 

Auch rund um den SV Reihen sind die Anekdoten über diese sagenumwobene 2. Amateurliga immer wieder zu vernehmen. Eine Liga, in der sich ganze Dörfer aufmachten, um den Heidelbergern und Mannheimer Vereinen das Fürchten zu lehren.

 

Allerhöchste Zeit also, sich dieses damalige Konstrukt etwas genauer anzuschauen.

Die 2. Amateurliga Rhein-Neckar bestand von 1963 bis 1977 und war in zwei Gruppen eingeteilt, die man ganz keck Gruppe 1 und Gruppe 2 nannte. Während sich Heidelberger und Mannheimer Vereine in beiden Staffeln tummelten, waren die Sinsheimer Klubs bis auf das letzte Jahr immer in Gruppe 1 untergebracht.

 

Und wer waren nun diese Vereine aus dem heimischen Fußballkreis?

 

Einen echten Liga-Dino gab es tatsächlich: Die SG Waibstadt war in allen 14 Spielzeiten dabei und ist damit der erfolgreichste Verein des damaligen Sinsheimer Fußballkreises in dieser Spielklasse.

 

Insgesamt schafften es zwölf Sinsheimer Vereine über die Jahre in die 2. Amateurliga. Der SV Reihen kommt dabei auf sechs Spielzeiten und liegt gemeinsam mit dem FC Zuzenhausen auf Rang fünf, was die Anzahl der Teilnahmen betrifft.

 

Zwei Vereine durften sogar Meisterschaften feiern, die damals mit dem Aufstieg in die 1. Amateurliga verbunden waren: Der VfB Eppingen wurde 1973 Klassenprimus, der SV Sinsheim folgte 1976.

 

Der SV Reihen erreichte seine beste Platzierung 1975 mit einem ordentlichen siebten Rang. Überhaupt bewegte man sich fast durchgehend im Mittelfeld dieser starken Liga. Wenn man bedenkt, dass diese Spielklasse wohl am ehesten einer heutigen Mischung aus Landesliga und Verbandsliga entsprach, ist das alles andere als selbstverständlich.

 

"Die Meistermannschaft 1972 - der SV Reihen stieg zum zweiten mal in die Spielklasse auf"

1977 wurde die Liga schließlich aufgelöst. Nach oben ging es fortan in die Landesliga Rhein-Neckar, nach unten in die Bezirksliga Heidelberg/Sinsheim.

 

Was bleibt, sind die Geschichten. Nicht nur die heimischen, sondern auch die über den Tellerrand hinaus. Vereine wie Germania Mönchzell, dreimaliger Meister dieser Liga, pflegen bis heute Mythos und Tradition dieser Zeit.

 

Im nächsten Jahr jährt sich das Ende dieser Spielklasse zum 50. Mal. Vielleicht wäre genau dann der richtige Moment, sie noch einmal aufleben zu lassen. Wie wäre es mit einem Turnier der damaligen Sinsheimer Vereine? Vielleicht mit den Alten Herren im Biesigstadion in Waibstadt, im Willi-Kuch-Stadion in Epfenbach, im Eugen-Götter-Stadion in Sulzfeld — oder eben im Prof.-Karolus-Stadion in Reihen.

 

Die 2. Amateurliga Rhein-Neckar hat jedenfalls in Geschichten und Erinnerungen überdauert. Und vielleicht wird sie das noch eine ganze Weile tun.

 

Damals war es eine Ehre, in ihr spielen zu dürfen. Eine Ehre, den Herren aus der Stadt zu zeigen, wie in Sinsheim und Umgebung auf dem Land gekickt wird.

 

In Zeiten, in denen man manchmal nicht weiß, wo man hingehen soll, kann es zumindest ein bisschen helfen zu wissen, woher man kommt.

 

Die Sinsheimer Vereine nach Spielzeiten:

 

SG Waibstadt – 14 Spielzeiten

 

FSV Sulzfeld – 11 Spielzeiten

 

VfB Eppingen – 10 Spielzeiten

 

SV Sinsheim – 7 Spielzeiten

 

SV Reihen – 6 Spielzeiten

 

FC Zuzenhausen – 6 Spielzeiten

 

FC Badenia Rohrbach – 4 Spielzeiten

 

VfB Ittlingen – 2 Spielzeiten

 

TSV Neckarbischofsheim – 2 Spielzeiten

 

VfB Epfenbach – 2 Spielzeiten

 

FV Elsenz – 2 Spielzeiten

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