Reihen-Fans zeigen in Waldangelloch den besten sinsheimer Pokalabend aller Zeiten
Selbst die ältesten Recken am Platz waren sich einig: So etwas hat dieser Fußballkreis noch nicht erlebt.
Viel wurde im Vorfeld darüber geredet, ob der magische Abend aus dem vergangenen Jahr überhaupt noch zu toppen sei. Der Sportverein hat es geschafft. Episch. Laut. Wahnsinnig. Und mit einer Energie, die zeigt, was in diesem Verein steckt.
Das halbe Dorf machte mobil, um die Mannschaft in bester SV-Manier zu unterstützen. Schon zwei Stunden vor Spielbeginn traf die erste Choreo-Delegation am Platz ein, um alles für einen großen Abend vorzubereiten. Windböen? Starkregen? Egal.
"Hier regiert der SVR"
Der Block war voll. Und genau dort zeigte sich die Stärke dieses Clubs: egal welche Altersklasse, egal woher du kommst, egal ob du seit 60 Jahren Teil dieses Dorfes bist oder ganz neu dabei — jeder leistete seinen Beitrag.
Mit einem schallenden „Hier regiert der SVR“ wurde die Mannschaft vor dem Spiel in die Kabine verabschiedet.
Beim Einlaufen zog die Nordkurve aus Reihen die zehn Meter lange und vier Meter hohe Ziegelei in die Höhe. Darüber der prägnante Schornstein des Bauwerks, der zu rauchen begann. Untermalt von schwarz-weißen Fahnen und dem großen Spruchband:
„Der Ofen brennt ein zweites Mal.“
Etliche Fans mit Schiebermütze auf dem Kopf - Working Class Reihen wurde großartig umgesetzt.
"SV Reihen 1920"
Auf dem Feld selbst folgte eine Fahnenschau: die bekannte SV-Wappenfahne, die neue Georg-Böhmann-Legendenfahne und eine gestreifte Flagge mit grünem Streifen als Symbol für den Lindenbaum.
Dazu ohrenbetäubender Lärm aus einem prall gefüllten Block, dem die tolle Kulisse samt Echo in Waldangelloch noch die Krone aufsetzte.
Nicht auszumalen, was passiert wäre, wenn Bellanave nicht den Pfosten getroffen hätte. Oder wenn der eigentlich ordentlich leitende Schiedsrichter eine der vielen Kann-Entscheidungen zugunsten des SV getroffen hätte. Sportlich bot man dem Favoriten ordentlich Paroli. Auf den Rängen hatte der FC Zuzenhausen dem SV Reihen nichts entgegenzusetzen.
In der Halbzeit flaggte die Nordkurve noch einmal auf. Doppelhalter zeigten den Vereinsnamen, untermalt von weißem und schwarzem Konfetti. Schon da konnte man in die stolzen Augen der Spieler blicken. Spätestens jetzt war klar: Der SV Reihen konnte diesen Abend nicht mehr verlieren. Eigentlich hatte er ihn längst haushoch gewonnen — auch wenn der zukünftige Landesligist aus Zuzenhausen am Ende zwei Tore mehr erzielte.
Als mit zunehmender Spielzeit klar wurde, dass man wohl ohne Pokal nach Hause fahren würde, steigerte sich der Anhang aus Reihen in trotzigen Dauergesang hinein. Eskalationsstufe um Eskalationsstufe. Eine Finalatmosphäre, die nicht nur würdig war, sondern im Prinzip alles bisher Dagewesene auf Kreisebene in den Schatten stellte.
Der meistgehörte Satz des Abends:
„Sowas hab ich noch nie erlebt.“
Ortsfremde Groundhopper fragten, wie viele Zehntausend Einwohner die Großstadt Reihen wohl haben müsse, um einen solchen Fanblock ins Feld zu führen.
Zu Ende ging der Abend in hellem Licht. Vor Menschen, die stolz waren. Stolz auf eine fantastische Mannschaft. Stolz auf diesen Verein. Stolz auf dieses Dorf. Und stolz darauf, Teil dieses Abends gewesen zu sein.
Abseits des Platzes wird dieser große Pokalabend noch lange in Erinnerung bleiben.
Er war legendär.