Der streitbare Held - Marc Heller 

89 Minuten sind im Professor-Karolus-Stadion gespielt. Der Platz wird von Minute zu Minute tiefer. Es steht 2:2 am 12. Spieltag der Kreisliga Sinsheim 2021. Der SV Reihen hatte lange geführt, doch vier Minuten zuvor konnte die SG Waibstadt ausgleichen.

 

Als sich die Gastgeber schon auf ein enttäuschendes Unentschieden einstellen, gewinnt Marc Heller tief in der eigenen Hälfte den entscheidenden Zweikampf. Er treibt den Ball 30 Meter nach vorne, lässt Gegenspieler wie Fahnenstangen stehen. Karolus übernimmt, spielt den Ball hoch zurück auf Heller – und der grätscht ihn mit unbändigem Willen am Keeper vorbei ins Tor.

 

Eine Szene wie aus dem Lehrbuch: Wille und herausragende Fähigkeiten in einem Moment vereint. Marc Heller an jenem tristen Novembertag in Reihen. Vielleicht war genau diese Situation das Sinnbild seiner Laufbahn. Wenn beides zusammenkam, war er kaum aufzuhalten.

 

Über 300 Spiele absolvierte der Junge aus Reihen für seinen Sportverein. Einer der prägendsten Kicker der vergangenen 20 Jahre.

"Robust im Mittelfeld - fast 2 Jahrzehnte war Heller für den SV Reihen am Ball"

Mit 19 Toren schoss er den SV Reihen 2012/13 auf den Relegationsplatz der A-Klasse, um dann im entscheidenden Spiel gegen Neckarbischofsheim den Aufstieg klarzumachen. Damals noch als Stürmer. Auch an diesem Tag gehörte er zu den Jungs, die 90 Minuten in der Hitze von Treschklingen dem lange ersehnten Ziel hinterherjagten – und es erreichten.

 

Zurück in der Kreisliga wurde er zwei Jahre später zum gefeierten Meister. Inzwischen auf der Doppelsechs. Neun Tore, unglaubliche 23 Vorlagen. Der SV Reihen erzielte damals 64 Treffer – an der Hälfte davon war Heller direkt beteiligt. Dazu kamen seine Zweikampf- und Kopfballstärke, auch in der Defensive.

 

Ab 2016 führte er die Schwarz-Weißen als Kapitän aufs Feld. Nach einem kurzen Intermezzo beim SV Rohrbach kam er nach einer Saison zurück – und wurde wieder zu einem Garanten der erfolgreichen Kreisligajahre.

 

Dabei war Heller nie ganz unumstritten. Wie es herausragenden Fußballern manchmal geht, war er auch Opfer seiner eigenen Fähigkeiten. Und wie es bei tief verwurzelten einheimischen Spielern oft ist: Mit denen, die man am meisten liebt, ist man manchmal am strengsten.

Er war einer, der oft das Schöne im Spiel suchte. Auf Kreisligaebene war das nicht für jeden immer leicht zu akzeptieren. Unvergessen, wie er mit knapp 19 Jahren nach einem gewonnenen Spiel in Sinsheim von einem älteren Mitspieler an den Kleiderhaken gehängt wurde. Die Körpersprache hatte damals offenbar nicht gefallen.

Sein Spiel hat er nie wirklich verändert. Aber er hat sich entwickelt. Unter Georg Böhmann wurde er über Jahre zu einem der komplettesten Spieler im Kreis Sinsheim.

 

Noch in diesem Jahr half er beim Auswärtssieg in Kürnbach aus. Wieder war er umstritten. Durch einen Fehlpass verschuldete er den Rückstand. Und wieder war es am Ende Heller, der praktisch mit dem Schlusspfiff den 3:2-Siegtreffer einleitete.

 

Am Ende hat er gewonnen. Nicht nur etliche Spiele, Aufstiege und eine Meisterschaft. Sondern auch unzählige Fanherzen dieses Vereins.

 

Erfolg hat viele Gesichter. Eines der vergangenen zwei Jahrzehnte beim SV Reihen trägt den Namen Marc Heller.

 

Willkommen in der Hall of Fame!

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