Arbeiterverein trifft Akademikerclub
Der SV Reihen im Badischen Pokal – das sind traditionell ganz besondere Spiele. Denn hier warten Gegner, denen man im Ligaalltag nie begegnet.
In diesem Jahr ist der ASC Neuenheim im Prof.-Karolus-Stadion zu Gast. Und wenn man von außergewöhnlichen Gegnern spricht, dann ist der aktuelle Landesligist aus dem Fußballkreis Heidelberg dafür ein Paradebeispiel.
Der Anatomie-Sport-Club Heidelberg wurde 1978 gegründet und ist damit – im Gegensatz zum SV Reihen – ein echter Jungspund. Gegründet wurde der Verein zudem nicht, wie andernorts üblich, von der Arbeiterklasse oder dem Proletariat, sondern eher von der akademischen Upperclass rund um den medizinischen Sektor in Heidelberg.
Wie in der Vereinschronik nachzulesen ist, lechzten die Herren um Institutsleiter Prof. Dr. Wolf Georg Forssmann damals offenbar nicht nur nach den Damen in den Miniröcken auf dem Campus, sondern wollten auch organisiert Fußball spielen.
Man kann allerdings nur hoffen, dass die Jungs bei den Damen anfangs mehr Erfolg hatten als auf dem Sportplatz. In den ersten zehn Jahren setzte es in der Heidelberger B-Klasse regelmäßig ordentlich etwas aufs OP-Häubchen.
Doch anschließend – nicht zuletzt dank hervorragender Jugendarbeit – begann der sportliche Aufstieg. Viele Jahre war die Bezirksliga die Heimat des ASC, ehe sich der Verein vor rund zehn Jahren in der Landesliga festbiss. Den bisherigen Höhepunkt erreichte man schließlich mit dem Aufstieg in die Verbandsliga und dem anschließenden Klassenerhalt.
Nach vereinsinternen Querelen rund um einen Vorstandswechsel, den die Fußballgemeinde teilweise über die sozialen Medien mitverfolgen konnte, scheint sich der Verein inzwischen wieder stabilisiert zu haben. Der letztjährige sechste Platz in der Landesliga war jedenfalls ein beachtlicher Erfolg. Trainer Linus Sandmann hat mit einer jungen Mannschaft gute Arbeit geleistet und wird sicher nicht gewillt sein, die erste Runde im Badischen Pokal beim SV Reihen einfach herzuschenken.
Was über den ASC unbedingt noch erwähnt werden muss, ist die unfassbar ausführlich gestaltete Statistikabteilung auf der Vereinshomepage. Tabellen, Ergebnisse und historische Daten aus Fußballkreisen in ganz Deutschland reichen teilweise mehr als 100 Jahre zurück. Da kann einem Statistikliebhaber schon einmal ganz warm unter dem Arztkittel werden. Ein großes Kompliment dafür!
Und natürlich: Herzlich willkommen im – ja, ihr habt richtig gelesen – Prof.-Karolus-Stadion.
Auch wenn die Geschichte des Arbeitervereins aus Reihen und die des Akademikerclubs aus Heidelberg kaum unterschiedlicher sein könnten, gibt es tatsächlich eine kleine Gemeinsamkeit: In beiden Vereinschroniken spielte ein Professor eine prägende Rolle.
Das war es dann aber auch schon mit den Gemeinsamkeiten. Der ASC geht allein aufgrund des deutlich stärkeren Fußballkreises und der höheren Spielklasse als klarer Favorit in diese Begegnung.
Die Diagnose für dieses Pokalspiel lautet deshalb vor allem eines: Vorfreude auf einen spannenden Gegner außerhalb des gewohnten Habitats.
Also Krankenkärtchen raus – Badischer Pokal gibt es in diesem Jahr auf Rezept.
Anpfiff ist am 19. Juli um 14.00 Uhr im Prof.-Karolus-Stadion.