Die Sinsheimer Kreisliga steht vor ihrer 44. Saison und ist dabei so sehr im Fokus wie selten zuvor. Schuld daran ist der SV Tiefenbach, der sich in der Sommerpause mal kurzerhand einen Ex-Nationalspieler geangelt hat. Niklas Süle wechselt von Borussia Dortmund in den beschaulichen Östringer Stadtteil, dessen Einwohnerzahl ungefähr 19-mal auf die Dortmunder Südtribüne passen würde.
Manches wird sich für den ehemaligen Profi also verändern. Wer sucht, findet aber durchaus auch Gemeinsamkeiten. Die Heimtribüne des SV Tiefenbach steht ebenfalls im Süden, wird in Fachkreisen liebevoll „Clubhausbalkon“ genannt und fasst nach Sichtprüfung rund 30 Zuschauer. Das ist doch schon mal ein Anfang.
Die Kreisliga ist jedenfalls im Profifieber – und der Kuckucks-Blog natürlich auch. Deshalb schauen wir in unserer Saisonvorschau nicht nur auf die Vereine der Liga und wagen wieder ein paar laienhafte Prognosen. Wir überlegen außerdem, welcher Ex-Profi dem jeweiligen Kreisligisten eigentlich gut zu Gesicht stehen würde.
Hand aufs Herz, wir summen noch schnell die Champions-League-Hymne – und dann geht’s los.
TSV Ittlingen
Der TSV marschierte in der vergangenen Saison durch die A-Klasse wie Moses durchs Meer. Lediglich drei Unentschieden und keine einzige Niederlage brachten die mehr als souveräne und zu keinem Zeitpunkt gefährdete Meisterschaft samt Aufstieg in die Kreisliga.
Natürlich wird die höhere Spielklasse an vielen Sonntagen eine andere Hausnummer werden. Gelingt es dem TSV aber, den Flow aus der vergangenen Saison mitzunehmen, dann wird man auch in der Kreisliga eine gute Rolle spielen. Ich lehne mich sogar etwas aus dem Fenster und werfe den Begriff Geheimfavorit in den Raum. Eine eingespielte Mannschaft mit hoher Qualität, einer der erfolgreichsten Trainer im Fußballkreis und das Momentum einer nahezu perfekten Saison im Rücken – es gibt definitiv schlechtere Voraussetzungen, um auch in der Kreisliga erfolgreich zu sein.
Das Derby am zweiten Spieltag in Reihen dürfte gleich ein erster Gradmesser werden, wohin die Reise für den Aufsteiger gehen kann.
Auch wenn wir unseren Nachbarn natürlich mit einer gesunden Portion Rivalität begegnen, haben wir für den TSV eine Profi-Verpflichtung im Gepäck. Sollte der Weg tatsächlich ganz nach oben führen, braucht es schließlich jemanden, der sich mit solchen Geschichten bestens auskennt. Ciriaco Sforza wurde 1998 als Kapitän des 1. FC Kaiserslautern sensationell als Aufsteiger Deutscher Meister – eine Vita, die wie gemacht ist für den TSV Ittlingen. Ob er dieses Kunststück auch an der Sägmühlstraße wiederholen könnte, bleibt fraglich. Helfen würde der ehemalige Schweizer Nationalspieler aber ganz sicher.
VfB Eppingen II
Auch wenn zweite Mannschaften nicht überall auf uneingeschränkte Begeisterung stoßen, ist der VfB Eppingen II eine echte Bereicherung für die Kreisliga. Bestes Beispiel dafür war das spektakuläre 4:4 gegen den damaligen Tabellenführer aus Zuzenhausen – eines der unterhaltsamsten Spiele der vergangenen Saison. Kein Wunder also, dass der VfB die zweitmeisten Tore der Liga erzielte. Platz fünf war am Ende der verdiente Lohn für eine offensivstarke Spielzeit.
Leichter dürfte die kommende Saison allerdings nicht werden. Mit Devin Colin Becker verliert der VfB nicht nur seinen erfolgreichsten Torschützen, sondern zugleich auch seinen besten Vorlagengeber an den FC Heilbronn. Auch der Wechsel von Jan Hagemann nach Bretten hinterlässt eine spürbare Lücke.
Dennoch gibt es genügend Gründe für Optimismus. Trainer Muti Brim kann weiterhin auf eine junge, motivierte Mannschaft bauen. Und sollte es bei der ersten Mannschaft in der Verbandsliga personell gut laufen, dürfen die Eppinger auch in dieser Saison immer wieder auf Unterstützung von oben hoffen.
Die Tendenz zeigt deshalb in Richtung eines gesicherten Mittelfeldplatzes – mit Potenzial nach oben, wenn die Entwicklung der jungen Mannschaft weiter anhält.
Natürlich darf auch bei den Eppingern unser prominenter Neuzugang nicht fehlen. Als einziger Kreisligist erhalten sie von uns einen Torhüter – schließlich soll Nachwuchskeeper Niels Lang bestmöglich unterstützt werden. Und wer würde da besser passen als ein ehemaliger HSV-Kultkeeper? Frank Rost bringt nicht nur jede Menge Bundesliga-Erfahrung mit, sondern auch seine legendäre, ungefilterte Art. Gut möglich, dass der eine oder andere Kreisligastürmer auf dem Kunstrasen künftig schon beim Aufwärmen weiche Knie bekommt.
Türk Gücü Sinsheim
Nach langem Hin und Her konnte Trainer Flamur Shala doch noch gehalten werden – ein echter Glücksfall für die türkische Mannschaft aus Sinsheim. In den vergangenen beiden Spielzeiten etablierte sich Türk Gücü souverän in der Kreisliga. Auch wenn man sich intern wohl etwas mehr erhofft hatte als den 10. Tabellenplatz der Vorsaison, war der Klassenerhalt nie ernsthaft in Gefahr.
Im Sommer hat der Kader jedoch ein neues Gesicht bekommen. Mehrere erfahrene Spieler haben den Verein verlassen oder ihre Laufbahn beendet, wodurch die Personaldecke etwas dünner geworden ist.
Bleibt man von Verletzungen und Ausfällen verschont, kann ein kleinerer Kader aber durchaus auch Vorteile mit sich bringen – etwa durch eine eingespielte Stammformation und klare Hierarchien.
Vor allem auf dem heimischen Kunstrasen wird Türk Gücü auch in dieser Saison nur schwer zu schlagen sein. Gelingt es, dort regelmäßig zu punkten, dürfte der Abstieg kein Thema werden.
Im Gegenteil: Ein Platz im gesicherten oberen Mittelfeld scheint durchaus im Bereich des Möglichen.
Damit dieser Plan auch aufgeht, fehlt eigentlich nur noch ein prominenter Neuzugang. Einer, der die Region bestens kennt und mit seinen Freistößen Spiele im Alleingang entscheiden könnte. Sejad Salihović absolvierte neun Jahre für die TSG Hoffenheim und würde mit seiner überragenden Technik wohl auch ein paar Kilometer weiter bei Türk Gücü Sinsheim für jede Menge Furore sorgen.
TSV Helmstadt
Zum zweiten Mal in Folge beendete der TSV Helmstadt die Saison nur einen Platz über dem berühmten Strich. Trotz des permanenten Abstiegskampfs wirkt der Verein jedoch erstaunlich gefestigt. Lars Maurer geht in seine zweite Saison als Spielertrainer und wird nicht nur an der Seitenlinie, sondern vor allem auf dem Platz vorangehen müssen, wenn der TSV am Schwarzbach eine sorgenfreie Runde spielen möchte.
Spektakuläre Neuzugänge blieben im Sommer aus. Im Gegenteil: Mit Bastian Manhertz verliert Helmstadt eine Stammkraft an den Landesligisten VfK Diedesheim. Ein schmerzhafter Abgang, den es zunächst aufzufangen gilt.
Grund zur Zuversicht gibt es dennoch. Mit starken 24 Punkten aus der Rückrunde hat sich der TSV ordentlich Selbstvertrauen erarbeitet. Die junge, entwicklungsfähige Mannschaft scheint auf dem richtigen Weg zu sein und könnte in die ser Saison den nächsten Schritt in Richtung gesichertes Mittelfeld machen.
Damit der Defensivverbund noch mehr Stabilität erhält, fehlt eigentlich nur ein kompromissloser Sechser. Und wer würde diese Rolle besser verkörpern als Mark van Bommel? Der Niederländer war als aggressiver Leader und gnadenloser Abräumer gefürchtet. Im Helmstadter Mittelfeld würde er vermutlich alles wegräumen, was sich bewegt. Gut möglich also, dass der TSV mit ihm die 66 Gegentore der vergangenen Saison deutlich reduzieren würde. Wobei… die Zahl der Roten Karten dürfte im Gegenzug wohl ebenfalls spürbar ansteigen.
Türkspor Eppingen
Merhaba Kreisliga! Nach nur einer Saison kehrt Türkspor Eppingen in die Sinsheimer Kreisliga zurück. Wie bei vielen Vereinen aus der Region blieb das Landesliga-Abenteuer ein einjähriges Gastspiel. Das ist keine Schande, bedeutet aber fast immer auch einen personellen und sportlichen Neustart.
Dabei scheint man die richtigen Lehren aus der vergangenen Spielzeit gezogen zu haben. Trat man vor einem Jahr noch mit viel Selbstbewusstsein an und konnte den eigenen Ansprüchen letztlich nicht gerecht werden, gibt man sich in diesem Sommer deutlich demütiger. Das Ziel ist klar formuliert: Neuaufbau und der schnellstmögliche Klassenerhalt.
Auf dem Papier verfügt Türkspor dennoch wieder über eine ambitionierte Mannschaft. Gleich 17 Neuzugänge, darunter der neue Trainer Ali Brim, verstärken den Landesliga-Absteiger. Das war allerdings auch notwendig, denn gleichzeitig stehen 11 Abgänge zu Buche.
Unsere Profi-Verpflichtung: Thierry Henry. Der Franzose steht wie kaum ein anderer für Dynamik, Tempo und spielerische Klasse. Nach dem Abstieg beginnt bei Türkspor Eppingen ein Neuaufbau – und dafür braucht es Spieler, die vorangehen. Henry wäre genau so einer. Mit seiner Geschwindigkeit könnte er auf dem Kunstrasen in Eppingen wohl auch heute noch den einen oder anderen Verteidiger alt aussehen lassen.
SG Kirchardt
Am Ende musste die SG Kirchardt den Gang aus der Landesliga antreten. Einer ordentlichen Hinrunde folgte eine schwache Rückserie, in der lediglich 11 Punkte eingefahren wurden – zu wenig, um die Klasse zu halten.
Nun bietet die Kreisliga die Chance auf einen Neustart. Mit Lenny Hinderhauser und Jan Schuhmacher verlassen zwar zwei Stammkräfte den Verein, am schwersten wiegt jedoch der Wechsel von David Reitarow zum FC Bammental. Insgesamt ist der Kader aber weiterhin stark genug besetzt, um im Rennen um die Spitzenplätze ein gewichtiges Wörtchen mitzureden.
Vor allem in der Offensive besitzt die SG enormes Potenzial. Michael Baronas erzielte in den vergangenen beiden Landesligaspielzeiten 16 Treffer und dürfte in der Kreisliga beste Chancen haben, ganz vorne in der Torjägerliste aufzutauchen.
Ob es am Ende direkt für den Wiederaufstieg reicht oder Kirchardt zunächst ein Jahr zur Konsolidierung benötigt, wird natürlich auch von unserem prominenten Neuzugang abhängen.
Mit Carlos Dunga erhält die SG einen kompromisslosen Abräumer vor der Abwehr, der dennoch über herausragende spielerische Qualitäten verfügt. Der ehemalige brasilianische Nationalspieler war zudem viele Jahre beim VfB Stuttgart aktiv und kennt die Mentalität im Ländle bestens. Mit seiner Führungsstärke, seiner Zweikampfhärte und seinem Siegergen könnte er genau das fehlende Puzzlestück sein, um die SG Kirchardt sofort wieder zu einem heißen Aufstiegskandidaten zu machen.
TSV Kürnbach
Wir müssen ein wenig aufpassen, beim TSV Kürnbach nicht in pure Lobhudelei zu verfallen. Aber Ehre, wem Ehre gebührt: Der Fußball im Weinort lebt und entwickelt sich kontinuierlich weiter. Spätestens die starke Rückrunde der vergangenen Saison hat gezeigt, dass der TSV wieder zu den Top-Adressen der Kreisliga gehört.
Offiziell möchte man die Entwicklung der Mannschaft weiter vorantreiben. Übersetzt in Tabellenplätze bedeutet das allerdings: Nach Rang drei dürfte der Blick durchaus Richtung Tabellenspitze gehen. Gelingt ein guter Saisonstart, zählt das Team von Trainer Külbag ohne Zweifel zum engsten Favoritenkreis. Verstärkt hat man sich zudem mit jungen, hungrigen Spielern. Besonders Nico Braust aus Mühlbach bringt bereits gehobenes Kreisliganiveau mit und könnte sich schnell als wichtiger Baustein im Kürnbacher Spiel erweisen.
Unsere Profi-Verpflichtung: Andrea Pirlo. Der Italiener verkörperte Eleganz wie kaum ein zweiter. Mit seiner Ruhe am Ball würde er das Spiel des TSV dirigieren, als hätte er nie etwas anderes gemacht. Und weil Pirlo in seiner Heimat ein eigenes Weingut betreibt, würde er auch abseits des Platzes perfekt nach Kürnbach passen. Erst ein paar Traumpässe verteilen, anschließend bei einem guten Glas Wein die Kameradschaft pflegen – das klingt doch nach einer rundum gelungenen Verpflichtung.
SV Tiefenbach
Der Urknall dieser Serie. Der Transfer von Niklas Süle überschattete natürlich die komplette Sommerpause. Den SV Tiefenbach aber allein auf diesen Coup zu reduzieren, würde den Schwarz-Gelben nicht gerecht werden.
Zu nachhaltig und erfolgreich verlief die Entwicklung des Vereins in den vergangenen Jahren. Sportlich hat sich der SV längst in der Kreisliga etabliert. Die spannende Frage lautet vielmehr: Wie weit kann es in dieser Saison nach oben gehen?
Ein interessanter Neuzugang darf dabei keineswegs untergehen. Mit Leon Neureiter kommt vom VfB St. Leon ein Spieler mit jeder Menge Landesliga-Erfahrung ins Weindorf und verleiht dem ohnehin eingespielten Kader zusätzliche Qualität.
Mit dem starken 9. Platz der Vorsaison im Rücken und der Euphorie rund um den Verein wird Tiefenbach auch in diesem Jahr wieder eine gute Rolle spielen. Ob es am Ende sogar ganz nach vorne reicht? Ausgeschlossen ist das keineswegs. Der SV ist für uns mehr als nur ein Geheimfavorit. Und ja – Niklas Süle wird dazu seinen sportlichen Beitrag leisten.
Unsere Profi-Verpflichtung: Thomas Müller.
Eigentlich müsste der SV Tiefenbach in dieser Rubrik leer ausgehen. Schließlich hat der Verein mit Niklas Süle den Ex-Profi bereits verpflichtet, der diese ganze Serie überhaupt erst ausgelöst hat. Aber Regeln sind nun einmal Regeln – also bekommt auch Tiefenbach noch einen zweiten Hochkaräter.
Mit Thomas Müller hätte Süle nicht nur einen kongenialen Kreisliga-Mitspieler, sondern auch den perfekten Golfpartner. Man möchte schließlich, dass sich die hohen Herren auch abseits des Platzes wohlfühlen. Und sollte das Duo tatsächlich gemeinsam auf Kreisligajagt gehen, dürfte der Balkon am Tiefenbacher Clubhaus schon frühzeitig für die Meisterfeier reserviert werden –wer braucht schon den Marienplatz in München?
SG Waibstadt
Die Sportgemeinschaft geht in ihr 17. Kreisligajahr in Folge und lieferte in dieser Zeit fast durchgehend Platzierungen im einstelligen Tabellenbereich. Gleichzeitig zeigt die SG Waibstadt eindrucksvoll, wie moderne und engagierte Vereinsentwicklung aussehen kann. Das Clubhaus wurde in den vergangenen Jahren umfangreich umgebaut und erweitert, das Biesigstadion präsentiert sich mit seinen zahlreichen Werbepartnern als echte Visitenkarte des Vereins.
Die SG ist damit ein Paradebeispiel für einen lebendigen und zukunftsorientierten Kreisligisten.
Auch sportlich dürfte Waibstadt in der kommenden Saison wieder ein gewichtiges Wort im Aufstiegsrennen mitreden. Trainer Julian Keitel kann auf einen eingespielten und qualitativ starken Kader bauen – und gehört als Torjäger selbst zu den wichtigsten Bausteinen seiner Mannschaft. Trifft er regelmäßig, scheint einer erfolgreichen Saison wenig im Wege zu stehen. Mit Maurice Piller vom Bezirksligisten Schwaigern stößt zudem ein erfahrener Neuzugang hinzu, der zusätzliche Qualität und Routine mitbringt. Unsere Tendenz zeigt daher erneut klar in Richtung oberes Tabellendrittel.
Was den schwarz-weißen Farbverbündeten allerdings noch fehlt, ist ein echter Ex-Profi. Am besten einer, der weiß, wo das Tor steht – und anschließend auch, wo die Feier stattfindet. Mit Aílton, Bundesligatorschützenkönig des Jahres 2004, wäre diese Lücke perfekt geschlossen. Der Brasilianer könnte als Edeljoker hinter Keitel und Schock von der Bank kommend noch einmal ordentlich Wirbel stiften. Und dass er einem guten Stück Käsekuchen nur selten widerstehen kann, dürfte dem geselligen Vereinsleben in Waibstadt ebenfalls nicht schaden.
TSV Steinsfurt
Der TSV Steinsfurt ist mal wieder da. Nach dem gewonnenen Relegationsspiel gegen Badenia Rohrbach dürfen sich unsere Nachbarn wieder Kreisligist nennen.
Der TSV entwickelte sich in den vergangenen zehn Jahren zum Casanova des Fußballkreises. Lange blieb man nie im selben Bett, bzw. in derselben Liga. Erst ging es schmerzhaft in die B-Klasse, doch ebenso zuverlässig folgte der direkte Wiederaufstieg. Dreimal runter, zweimal wieder rauf.
Der wichtigste Faktor bleibt dabei unbestritten der Trainer selbst. Ben-Richard Prommer macht als spielender Übungsleiter mit seinen Toren den Unterschied und dürfte das auch in der Kreisliga wieder tun. Dazu kommt mit Jan Schuhmacher aus Kirchardt ein weiterer erfahrener Akteur. Der TSV scheint seine Hausaufgaben gemacht zu haben.
Nach so vielen Jahren im Fahrstuhl wünscht man sich in Steinsfurt nun vor allem eines: Kontinuität.
Als Profi schicken wir deshalb Steven Gerrard ins Feld. Der Liverpooler spielte seine gesamte Profikarriere für denselben Verein und wurde dort zum Sinnbild für Vereinstreue und Beständigkeit. Außerdem hätte der Mittelfeldstratege genügend Übersicht, um die ohnehin gut besetzte Offensive der Steinsfurter immer wieder in Szene zu setzen. Für den angestrebten Klassenerhalt – und vielleicht sogar ein bisschen mehr – wäre Gerrard jedenfalls genau der richtige Mann.
SV Treschklingen
Der überraschende Vizemeister der vergangenen Spielzeit steht erneut vor einer ungewissen Saison. Abgänge gab es in diesem Sommer wie Most im Fass. Mit Haidari (Neckarsulm), Lascu und Jallow (beide Eppingen) verliert der SVT gleich mehrere Leistungsträger. Hinzu kommen mit Yilmaz und Kadrija fast 40 Saisontore, die künftig in Schwarz-Gelb fehlen werden.
Es wird also erneut eine große Herausforderung sein, eine schlagkräftige Mannschaft auf den Kirchberg zu bringen. Trainer Asslani geht in seine vierte Saison und wird den Klassenerhalt zunächst als oberstes Ziel ausgeben. Sollte es seiner Mannschaft jedoch wieder gelingen, den Flow der vergangenen Runde zu entwickeln und als eingeschworene Einheit aufzutreten, dürfte Treschklingen auch in dieser Saison für nahezu jeden Gegner ein äußerst unangenehmer Kontrahent werden.
Apropos Nationalspieler: Während derzeit alle über Niklas Süle sprechen, hatte der SV Treschklingen bereits selbst einen Weltmeister in seinen Reihen. Torhüter Thomas Hafner hütete noch vor wenigen Jahren das Tor der Schwarz-Gelben und war gleichzeitig Nationalspieler der deutschen Gehörlosen-Nationalmannschaft – mit der er sogar den WM-Titel gewann.
Für unsere fiktive Profi-Verpflichtung braucht der SVT in diesem Sommer vor allem eines: einen echten Allrounder. Deshalb schicken wir Bastian Schweinsteiger auf den Kirchberg. Erst dynamischer Flügelspieler, später einer der besten Sechser der Welt – und notfalls hätte er vermutlich sogar als Innenverteidiger oder Libero überzeugt. In Treschklingen würde sich ganz bestimmt ein Plätzchen für ihn finden.
SV Rohrbach
Genau zehn Jahre ist die letzte Kreisligameisterschaft inzwischen her, der letzte Pokalsieg liegt sogar schon 16 Jahre zurück. Kaum zu glauben, denn der SV Rohrbach steht seit Jahren für ambitionierten und erfolgreichen Fußball – nur die Titel blieben in der vergangenen Dekade aus.
Dabei stehen die Chancen auch in der kommenden Saison nicht schlecht. Zwar verliert man mit Baumgartner und Vogt zwei wichtige Kräfte an die SG Eschelbronn/Neidenstein. Die Mannschaft ist jedoch seit Jahren eingespielt, entwickelt sich kontinuierlich weiter und wurde punktuell sinnvoll verstärkt. Mit Altun von der TG Sinsheim und Reichert aus Mörtelstein sollen zwei Neuzugänge weitere Qualität ins Team bringen. Gut möglich also, dass der SV Rohrbach nach langer Abstinenz im Sommer endlich wieder einen Pokal oder eine Meisterschale in die Höhe strecken darf.
Unsere Profi-Verpflichtung: Raúl
SV Stürmer und Schalke-Fan Karolus bekommt von uns den Sturmpartner seiner Träume. Raúl erzielte 228 Tore für Real Madrid und traf auch für den FC Schalke 04 noch stolze 28-mal ins Schwarze. Im blau-weißen Trikot fühlt sich der Spanier ohnehin zuhause – beste Voraussetzungen also, um auch in Rohrbach endlich wieder Titel zu sammeln.
VFB Epfenbach
Der Hebstmeister der vergangenen Saison hat einen neuen Mitarbeiter in seiner sowieso schon herausragend besetzten Torfabrik. Zum Torschützenkönig 25/26 Maik Grund (39 Treffer) stößt Thomas Braun aus Schwarzach hinzu. Dieser hat nicht mindere 36 Treffer im Gepäck. Das könnte der Königstransfer dieses Sommers sein – der Torschützenkönigstransfer eben.
Zusätzlich kommt mit Jochen Schuppe ein erfahrener Trainer. Nicht zuletzt darum gehört Epfenbach auch in diesem Jahr wieder zu den Top Favoriten der Liga. Nicht auszumalen wenn man es schafft zwei annähernd gute Halbserien zu spielen.
Unsere Profi – Verpflichtung: Carles Puyol. Vorne scheint der VFB Epfenbach für Tore nahezu eine Lebensversicherung abgeschlossen zu haben. Da wäre es nur konsequent, hinten einen echten Abwehrchef zu instalieren. Puyol war nie der lauteste Star, aber einer, der mit Herz, Leidenschaft und unbendigem Willen für eine lange Saison erfolg garantiert. Mit ihm dürfte die Torfabrik aus Epfenbach endgültig zum Komplettpaket werden.
FC Weiler
Der Klassenerhalt ist geschafft. Die 37 Punkte waren das Ergebnis einer durchweg soliden Saison. Dass sich der FC Weiler dennoch bis zum Schluss mit dem Abstieg beschäftigen musste, lag wohl eher an den Umständen der Liga als an der eigenen Leistungsfähigkeit.
Auch nach den beiden Derbys gegen den SV Reihen steht es weiterhin 1:1 – beide Teams konnten ihr Heimspiel gewinnen. Umso schöner, dass dieses traditionsreiche Duell auch in der kommenden Saison wieder zweimal auf dem Spielplan steht.
Wie ist also die Aussicht vom Steinsberg? Mit Rico Unser kommt ein neuer Spielertrainer vom TSV Dühren, der der Defensive spürbar mehr Stabilität verleihen soll. 66 Gegentore waren in der vergangenen Spielzeit schlicht zu viel. Zudem stößt mit dem knapp zwei Meter großen Oguz Yavuz ein echter Lufthoheitsexperte hinzu. In einer Kreisliga, in der noch immer viele Angriffe mit hohen Bällen vorgetragen werden, könnte dieser Neuzugang schnell zu einer echten Waffe werden.
Größere Fragezeichen stehen dagegen vor der Offensive. Mit David Nicklas verfügt der FC zwar über einen soliden Kreisligastürmer mit Entwicklungspotenzial, dahinter wird die Luft allerdings schon deutlich dünner. Soll der Klassenerhalt auch in dieser Saison möglichst früh gesichert werden, braucht es vorne noch einen echten Zielspieler – einen, der Bälle festmacht, Verteidiger bindet und für Entlastung sorgt.
Unsere Verstärkung kommt deshalb wuchtig daher: Carsten Jancker. Der ehemalige Bayern-Stürmer und Vizeweltmeister von 2002 wäre auf dem Steinsberg wohl genau das, was eine Burg schon immer gebraucht hat – einen Turm. Im Strafraum wäre Jancker damit der perfekte Angreifer für den FC Weiler.
VfL Mühlbach
Beginnen wir in Mühlbach. Der VfL startet mit einem neuen Trainer in die anstehende Spielzeit. Frank Belz wurde verpflichtet und bringt jede Menge Erfahrung aus dem fußballerisch starken Unterland mit.
Der Übungsleiter steht allerdings vor keiner einfachen Aufgabe. Mit Hendrik Hauber und Maximilian Nowak verliert die Mannschaft zwei weitere Stammspieler. Ob die Neuzugänge Dominik Brodhöhl aus Schluchtern und Lukas Keller aus Elsenz diese Lücken schließen können, bleibt abzuwarten.
Nach einigen sehr erfolgreichen Jahren im Spitzenfeld musste der VfL zuletzt eher den Blick Richtung Tabellenkeller richten. Eine Trendwende wäre also ganz im Sinne der Blau-Weißen.
Deshalb stellen wir ihnen Marco Reus zur Seite. Kaum ein deutscher Profi musste in seiner Karriere so viele Rückschläge und Verletzungen wegstecken. Trotzdem kämpfte er sich immer wieder zurück und blieb über Jahre das Gesicht seines Vereins. Genau diese Mentalität könnte auch in Mühlbach für eine neue Aufbruchsstimmung sorgen.