Sieben Tore, ein Gipfeltreffen und ein Freitagabend ohne Happy End. Der SV Reihen unterliegt der SG Waibstadt im Biesigstadion mit 3:4 – und liefert trotz Niederlage einige Argumente dafür, warum der Freitag ein wunderbarer Fußballtag ist.
Eigentlich ist der Freitag ein überragender Tag. Und nicht selten die Heimat ganz großer Fußballspiele. Wenn am letzten Werktag der Woche die Lichter am Betzenberg angingen, war das immer etwas Besonderes. Mir fällt da sofort das legendäre 4:3 gegen Rostock 1998 ein. Oder, im selben Jahr, ein 2:4 in Karlsruhe.
Nun war es an diesem Freitag nicht die ganz große Bühne. Aber immerhin das Biesigstadion in Waibstadt. Jener Ort, an dem der SV Reihen 2025 Pokalsieger wurde.
Gipfeltreffen am Freitagabend. Man stelle sich dazu den DSF-Trailer der späten 90er-Jahre vor: Zwei Grätschen, zwei Tore, dramatische Musik und eine Stimme wie Bruce Willis: „Das Beste, was diese Liga zu bieten hat!“
Na ja. Ganz so groß wurde der Fußballabend dann doch nicht. Zumindest nicht für den Sportverein. Wobei die 3:4-Niederlage durchaus einiges an Unterhaltungspotenzial mitbrachte.
Die erste Halbzeit hatte jedenfalls einen klaren Gewinner. Die SG Waibstadt. In Toren ausgedrückt: 2:0. Die Spielanlage der Gastgeber, mit Tempo immer wieder in die Spitze zu operieren, ging dem SV ein ums andere Mal schlicht zu schnell. Zwar waren beide Gegentreffer mit klaren individuellen Fehlern verbunden, diese wurden von der Heimelf allerdings auch konsequent erzwungen. Keitel (14.) und Grab (21.) vollstreckten zur hochverdienten Pausenführung.
Deutlich besser kam der SV aus der Kabine. Die Partie wurde offener, chancenreicher und insgesamt auch unterhaltsamer. Waibstadt blieb dauerhaft gefährlich, Reihen war nun aber über weite Strecken feldüberlegen. Und das, obwohl Keitel in der 63. Minute sogar das 3:0 markierte und die Begegnung damit im Prinzip entschied.
Im Prinzip.
Denn der SV hat in dieser Spielzeit bereits bewiesen, dass auch größere Rückstände nicht zwangsläufig das Ende aller Hoffnungen bedeuten. Und genau hier liegt trotz der Niederlage das positive Gefühl dieses Freitagabends: Diese Mannschaft schenkt keine Spiele ab. Sie sucht ihre Chancen. Immer wieder.
Und die kamen prompt.
Nur drei Minuten nach der vermeintlichen Entscheidung donnerte Marlon Schwartz den Anschluss in die Maschen. Als Spielertrainer Yannik Obländer in der 74. Minute nach einem Eckball auch noch zum 3:2 einköpfte, war die Partie plötzlich wieder vollkommen offen.
Das Spiel war gerade dabei, aus Reihemer Sicht so richtig schön zu kippen, da meldete sich erneut Keitel zu Wort. Der Waibstadter strahlt aktuell eine beinahe unverschämte Torgefahr aus und stellte mit seinem dritten Treffer auf 4:2.
Ein Nackenschlag.
Zwar gab sich der SV auch danach nicht geschlagen, suchte weiter seine Möglichkeiten und kam durchaus noch zu Gelegenheiten. Doch der erneute Zwei-Tore-Rückstand war letztlich einer zu viel. Claudio Bellanave sorgte mit einem sehenswerten Schuss unmittelbar vor dem Abpfiff noch für den 4:3-Endstand. Mehr als Ergebniskosmetik war das allerdings nicht mehr.
Schämen muss sich für diese Niederlage niemand. Auch wenn zwischenzeitlich durchaus mehr möglich gewesen wäre, geht der Sieg der SG Waibstadt vollkommen in Ordnung.
Und weil man auch nach Niederlagen die Leistung des Gegners anerkennen darf, sei an dieser Stelle noch ein Spieler ausdrücklich erwähnt: Mykhailo Dolhov. Der Waibstadter war für mich der auffällig beste Mann auf dem Platz. Pfeilschnell, ständig unterwegs und für die Reihemer Defensive über die gesamte Spielzeit ein echtes Problem. Ehre, wem Ehre gebührt.
Für den SV bedeutet die Niederlage, dass man die Tabellenspitze zunächst ein wenig ziehen lassen muss. Ärgerlich, keine Frage. Aber auch kein Grund, den Freitag als Fußballtag infrage zu stellen.
Sieben Tore, reichlich Unterhaltung, ein zwischenzeitlich beinahe geglücktes Comeback und Flutlicht im Biesigstadion.
Keine Punkte. Trotzdem ein Fußballabend, wie man ihn gerne hat.
Friday, I’m in Love.