So geht Fußball! 

Und in der 92. Spielminute bekommt Yanik Schwartz den Ball auf der linken Seite durchgesteckt und erzielt den Siegtreffer. Ausgerechnet Yanik Schwartz. Derselbe Spieler, der vor genau vier Wochen beim Auswärtsspiel in Waibstadt noch sichtlich angefressen zur Halbzeit ausgewechselt wurde. Derselbe Spieler, der sich seitdem von Spiel zu Spiel immer mehr in Form gekämpft hat. So geht Fußball!

Es mag einige Gründe dafür geben, warum der SV Reihen aktuell auf dem dritten Tabellenplatz steht und nun bereits den vierten Sieg in Folge eingefahren hat. Einer davon ist sicherlich, dass sich diese Mannschaft auch in komplizierten Situationen nicht ihrem Schicksal ergibt. Dass sie dranbleibt, Widerstände überwindet und bis zum Schluss an den eigenen Erfolg glaubt.

 

So auch an diesem Sonntag. Denn dem Auswärtsdreier in Mühlbach ging wahrlich kein einfacher Spielverlauf voraus.

Dabei starteten die Schwarz-Weißen durchaus vielversprechend in die Partie. Von Beginn an war man präsent in den Zweikämpfen, fand gut ins Spiel und belohnte sich nach 18 Minuten durch Luca Bauer mit dem Führungstreffer.

 

Was zunächst nach einem kontrollierten Auswärtsauftritt aussah, entwickelte sich jedoch zunehmend in die falsche Richtung. Der SV gab das Spiel immer mehr aus der Hand, verlor den Zugriff und ließ die Hausherren stärker werden. Ein Trend, den auch der Pausenpfiff nicht stoppen konnte. Immerhin nahm man die knappe Führung noch mit in die Kabine.

 

Nach dem Seitenwechsel setzte sich das Bild fort. Mühlbach wurde mutiger, erarbeitete sich Chancen und bekam nach einer Stunde einen Elfmeter zugesprochen, der zum mittlerweile verdienten Ausgleich verwandelt wurde.

 

Der SV wackelte. Und zwar gehörig.

Doch es ist inzwischen fast schon zu einem Markenzeichen dieser Mannschaft geworden, dass sie auch in schwierigen Phasen nicht auseinanderfällt. Irgendwie bekommt dann doch immer noch irgendwer einen Fuß dazwischen. Irgendwer gewinnt den entscheidenden Zweikampf, wirft sich in einen Schuss oder verhindert, dass eine Partie endgültig kippt.

 

Und irgendwann findet man dann selbst wieder zurück.

 

So auch in Mühlbach. In der Schlussphase arbeiteten sich die Schwarz-Weißen zunehmend zurück in die Begegnung. Die Hausherren waren mittlerweile nach einer Gelb-Roten Karte in Unterzahl und beschränkten sich weitgehend auf das Verteidigen und gelegentliche Konter.

 

Zwar erspielte sich der SV nun wieder Möglichkeiten, doch lange sah es danach aus, als würde der Mühlbacher Plan aufgehen und zumindest ein Punkt bei den Gastgebern bleiben.

 

Bis zwei Szenen in der Schlussphase das Spiel noch einmal auf den Kopf stellten.

Zunächst starteten die Hausherren einen ihrer wenigen verbliebenen Konter. Doch Flo Golenia kam derart entschlossen und weit aus seinem Tor, dass dem heranstürmenden Gegenspieler vor lauter Schreck offenbar nichts anderes übrig blieb, als den Ball in Richtung der eigenen Auswechselbank zu donnern.

 

Und dann kam die 92. Minute.

 

Ein Ball auf die linke Seite. Yanik Schwartz ist durch. Der Abschluss sitzt.

 

1:2. Auswärtssieg.

 

Vier Wochen nach seiner bitteren Auswechslung in Waibstadt wird Schwartz zum umjubelten Matchwinner. Eine dieser kleinen Geschichten, die der Fußball schreibt und die manchmal mehr über den Charakter einer Mannschaft erzählen als jede Tabelle.

 

Nein, es war wahrlich kein Sonntag für Fußballästheten. Kein spielerisches Feuerwerk, kein souveräner Spaziergang und ganz sicher keine Partie, die man über 90 Minuten beherrscht hätte.

 

Aber es war ein Sonntag, an dem der SV Reihen einmal mehr bewiesen hat, dass Fußball eben nicht nur mit spielerischer Klasse gewonnen wird. Sondern auch mit Geduld, Widerstandskraft und dem unbedingten Willen, bis zum letzten Pfiff an seine Chance zu glauben.

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